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Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt …

Wie ich vom Normalesser zunächst zum Vegetarier wurde und 5 Tipps, wie auch du den Einstieg meistern kannst
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Herrje, diese Überschrift ist schon reichlich abgeschmackt, oder? Allerdings muss ich sagen, dass sie an dieser Stelle gleich doppelt passt, denn zum einen ist dies der erste Beitrag auf „Ich bin jetzt vegan!“ und zum anderen möchte ich dir davon berichten, wie bei mir die Reise in Richtung eines veganen Lebens begann.

Bei dem Spruch handelt es sich übrigens ein Zitat von Laotse, einem chinesischen Philosophen, der im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll und dessen Philosophie den Taoismus begründet hat. Und was will er uns damit sagen? Genau! Ziele erreicht man nicht dadurch, dass man alles detailliert plant, sondern dadurch, dass man den Mut besitzt loszugehen und sich auch auf Ungewisses einzulassen.

Ein normaler Allesesser

Aber lass mich von vorne beginnen und den Blick rund fünf Jahre zurück werfen. Ja, ich gebe es zu: ich war noch nicht immer Veganer. Noch nicht einmal Vegetarier! Ich war damals ein ganz normaler Allesesser mit allem drum und dran, wie übrigens fast 90% der deutschen Bevölkerung. Klar, es gab Dinge, die ich nicht mochte, weil sie mir nicht schmeckten und andere, die ich von vorneherein eklig fand. Essen war für mich nichts, worüber man sich groß den Kopf zerbrechen musste. Ich aß halt, was in den Topf, in die Pfanne oder in den Herd kam. Mal mit mehr, mal mit weniger Genuss, je nach Zeit und Anlass. Mal mittags auf die Schnelle einen Snack im Stehen oder auch abends ein opulentes Mahl mit Freunden.

Über meinen Fleischkonsum hatte ich mir bis dahin recht wenig Gedanken gemacht. Zwar hatte ich mehrere Vegetarier und einen(!) immer etwas belächelten Veganer im Freundeskreis, aß relativ wenig Fleisch und ernährte mich hin und wieder auch vegetarisch – ein kompletter Fleischverzicht schien mir allerdings nicht wirklich vorstellbar. Von dem Gedanken, komplett auf tierische Produkte in der Ernährung zu verzichten, ganz zu schweigen!

Allerdings fiel mir nach und nach auf, dass es kaum noch ein Gericht ohne Fleisch auf meinem Teller gab und sei es nur in kleinen Mengen. Fleisch war allgegenwärtig – mal mehr, mal weniger offensichtlich: als Brotaufstrich und -aufschnitt, als Döner, im Hamburger, im Salat, im Zwiebelkuchen, als Bacon zum Frühstück, in der Käsestange, als Chicken Nuggets, beim Grillen, auf der Pizza … Fleisch, Fleisch, Fleisch. Plötzlich sah ich überall Fleisch! Und wie günstig das war! Die Leberwurst für 69 Cent, der Hamburger für 1 Euro! War das noch das Paradies oder schon die Hölle? Auf jeden Fall stimmte da etwas nicht!

Ein Buch verändert alles

18879_Foer_Tiere_essen_BS_FIN.inddZu diesem Zeitpunkt fiel mir ein Buch in die Hände: „Tiere essen“ von Jonathan Safran Froer*. Und, was soll ich sagen? Es hat mein Leben komplett umgekrempelt.

Ich muss zugeben, dass ich zu Anfang skeptisch war und es eine Weile dauerte, bis ich mich an das Buch heran traute. Ich befürchtete jede Menge Weltverbesserei und moralische Zeigefinger en masse.

Aber ich hatte mich getäuscht. Nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, konnte ich „Tiere essen“* kaum noch aus der Hand legen. Man merkt Froer an, dass er eigentlich Romanautor ist – in den Jahren zuvor waren bereits die gefeierten Bestseller „Alles ist erleuchtet“* und „Extrem laut und unglaublich nah“* erschienen – und so liest sich das Buch trotz seines ernsten Themas flüssig und – man mag es kaum sagen – unterhaltsam.

Ausgangpunkt für seine Schilderung ist der Moment, als Froer Vater wird und er und seine Frau überlegen, wie sie ihr Kind ernähren werden. Fragen, die in seinem Leben bisher nur eine untergeordnete Rolle spielten bekommen eine neue Dringlichkeit: Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wo sie herkommen?

Froer recherchiert auf eigene Faust, bricht nachts in Tierfarmen ein, konsultiert einschlägige Studien und spricht mit zahlreichen Akteuren und Experten. Er hinterfragt die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um unser Essverhalten zu rechtfertigen, und die dazu beitragen, dass wir der Wirklichkeit der Massentierhaltung und deren Konsequenzen nicht ins Auge sehen. Für den Autor enden seine Recherchen schließlich damit, dass er sich für ein Leben als Vegetarier entscheidet.

Schluss mit Fleisch!

Am Ende der Lektüre war auch für mich klar, dass mit dem Fleischkonsum sofort Schluss sein musste! Zumindest wollte ich es eine Zeit ausprobieren und versuchen, ohne auszukommen. Aus dem „Ausprobieren wollen“ sind inzwischen Jahre geworden und ich weiß mittlerweile, dass es für mich keinen Schritt zurück zu einer konventionellen fleischhaltigen Ernährung mehr geben wird. Fleisch ist für immer aus meinem Speiseplan verschwunden!

Mit dem Leben als Vegetarier änderte sich auch vieles anderes in meinem Leben. Zum ersten Mal machte ich mir Gedanken über viele Dinge, die ich zuvor einfach so hingenommen hatte. Im Nachhinein würde ich es als den Beginn einer bewussteren Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Umwelt bezeichnen, doch dazu in einem späteren Beitrag mehr.

Zunächst begann alles einfach damit, das Fleisch bei den Mahlzeiten wegzulassen. Es gab von da an keine Wurst mehr auf dem Brot und keine fleischlichen Beilagen bei den warmen Mahlzeiten. Da ich zuvor eh nicht viel Fleisch gegessen hatte, fiel mir das Weglassen (ich spreche hier bewusst nicht von „Verzicht“) nicht all zu schwer.

Ich mach mich schlau

Bei meinen Einkäufen musste ich allerdings feststellen, dass die Auswahl an vegetarischen Lebensmitteln in den gängigen Supermärkten (remember: es ist schon eine ganze Weile her – heute ist das zum Glück deutlich anders) äußerst dürftig war. Die Lösung bestand zum einen darin, dass ich mich erst einmal schlau machen und viel Neues über Lebensmittel und deren Zusammensetzung lernen musste. Das Lesen der Zutatenliste auf Produkten, die ich noch nicht kenne, ist seitdem zu einer festen Angewohnheit geworden. Neben der Suche nach fleischlichen Bestandteilen in diesen Nahrungsmitteln schärfte es mein Bewusstsein für die vielen mehr oder weniger ungesunden Beigaben wie Aromen, Ascorbinsäure, Hefeextrakten und Salzen, die den meisten Fertigprodukten heutzutage hinzugefügt werden.

9783833826276Zum anderen musste ich das Kochen (neu) erlernen. Eine gar nicht so leichte Aufgabe, da ich bis dahin nicht viel Spaß am Kochen gehabt hatte! Irgendwie musste ich zwei Dinge unter einen Hut bringen: ich wollte mich vegetarisch, gesund und ausgewogen ernähren, aber nicht zu viel Zeit in der Küche verbringen.

Nach einiger Suche und dem Ausprobieren verschiedener Kochbücher die mir allesamt nicht so recht gefielen, stieß ich auf „Vegetarisch für Faule“ von Martin Kintrup*. Ich war begeistert! Der Titel war nicht nur ein verkaufsfördernder Slogan sondern hielt auch, was er versprach: tolle vegetarische Rezepte mit gesunden Zutaten, die in der Regel in rund zwanzig Minuten zubereitet sind. Das Buch hat heute immer noch einen festen Platz in meinem Küchenregal, denn mit geringen Anpassungen sind viele Rezepte auch vegan ohne Weiteres nachzukochen.

Ein Anfang war also gemacht. Ich sollte fortan fleischlos leben! Wie mich diese Entscheidung körperlich und geistig verändert hat und was mich schließlich zum Veganer werden ließ, das liest du demnächst hier auf „Ich bin jetzt vegan!“.

vom Normalesser zunächst zum Vegetarier


Hier sind meine 5 Tipps für dich:

So gelingt dein Einstieg in ein fleischloses Leben!


  • Schnupper erstmal rein! Wenn du unsicher bist, ob eine vegetarische Ernährungsweise das Richtige für dich ist, teste es einfach für ein paar Wochen. Wenn du möchtest, nutze bspw. den kostenlosen vegetarischen Schnupperkurs des Vegetarierbunds Deutschland (Vebu), bei dem du über die Dauer von 30 Tagen per E-Mail vegetarische Rezepte und Informationen erhältst.
  • Schaffe Fakten! Erzähle Familie, Freunde und Bekannten von deinem Entschluss, dich zukünftig vegetarisch zu ernähren. Damit setzt du dich nicht nur dir selbst sondern auch anderen gegenüber in Zugzwang und vielleicht kann dir ein wenig sanfter Druck von außen helfen, deinen Entschluss wirklich auch umzusetzen. Natürlich wirst du vieles erklären müssen, was dir aber dabei helfen wird, dir über deine Beweggründe noch deutlicher klar zu werden. Möglicherweise kommt auch noch unerwartete Unterstützung von der einen oder anderen Seite.
  • Sammle Argumente! Wenn du tatsächlich noch Gründe für eine fleischlose Ernährung brauchst, lies das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Froer*. Danach sollten keine Fragen mehr offen sein. Auch die Seiten des Vebu oder der Albert-Schweitzer-Stifung sind seriöse Informationsquellen.
  • Don’t take it too serious! Sei nicht zu streng mit dir selbst! Veränderungen brauchen Zeit. Nimm sie dir! Ernähre dich flexitarisch mit ab und zu ein wenig Fleisch oder reduziere deinen Fleischkonsum allmählich und nicht unbedingt auf einen Schlag, wenn du dafür noch nicht bereit bist.
  • Setze dir Ziele und belohne dich! Wenn du zusätzliche Anreize brauchst, können dir kleine Belohnung helfen, den Umstieg zu meistern. Gönne dir bspw. einen Kinobesuch, ein schönes Buch oder eine andere Kleinigkeit, die dir Freude bereitet, für jede Woche, die du ohne Fleisch auskommst.

*Amazon-Affiliate-Link

Bist du schon Vegetarier? Was sind deine Erfahrungen? Welche Tipps hast du für den Einstieg in ein fleischloses Leben? Ab damit in die Kommentare!

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2 Kommentare
  • Birte
    Samstag, 17. Oktober 2015

    Hej Jens!

    Ich bin gerade über Deinen neuen Blog und somit über Deine neue Ernährungsweise gestolpert! Daumen hoch, ich freue mich über Weiteres von Dir zu lesen – wenn wir uns schon nicht mehr sehen…! :o)
    Ich lebe ja bereits seit 36/37 Jahren vegetarisch. Ganz genau kann es mir niemand sagen, aber zumindest ab dem Zeitpunkt an dem ich selbst entscheiden konnte, was ich essen möchte (mit 3 Jahren!?). Claus ist auch seit 5 Jahren Vollblut-Vegetarier und Klein-Theo durfte in seinen ersten 2 Lebensjahren auch vegetarisch leben.
    Mittlerweile ist es so, dass wir zu 95% vegan leben – alle Drei!
    In unserem Haushalt findet man keine Milch, keine Eier, keine Butter, keine Gelatine, keinen Honig, aber leider doch noch Käse und Quark. :o(
    Ich hoffe, dass ich diese Lebensmittel auch bald aus unserem Kühlschrank eliminieren kann. Leider geben die örtlichen Supermärkte keine gut schmeckenden veganen Ersatz-Produkte her. Wir haben schon Diverses durchprobiert, aber warum muss veganer Käse nach Rauch schmecken? Und Tofu-Wurst nach Tier?
    Leider gibt es kaum vegane Lebensmittel, die lecker nach Gemüse und Kräutern schmecken, immer wird der tierische Geschmack aufs Vegane übertragen.
    Aber wenn man etwas geschickt am Herd ist, ist es kein Problem sich verantwortungsvoll und bewusst zu ernähren. Gestern gab es z.B. vegane Burger mit köstlichen selbst gemachten Gemüse-Frikadellen!

    Meine Tipps:
    – Eier tausche ich in den Rezepten durch 1 EL Sojamehl und 2 EL Wasser aus
    – Auch Haferflocken sind zum Binden perfekt
    – Sahne etc. wird durch Soja-Cuisine ausgetauscht
    – Sojamilch lässt sich für den Kaffee viiiel besser aufschäumen als das Sekret der Kuh
    – Es gibt ganz tolle vegane Brotaufstriche, die auch im Handumdrehen fix selbst gemacht sind
    Undundund

    Wichtig – lass regelmäßig Dein B12 checken!

    Fühl Dich lieb gegrüßt von Birte & ihren Männern

    • Jens
      Samstag, 17. Oktober 2015

      Hey Birte!

      Danke für deinen Kommentar und die tollen Tipps! Ich sehe schon: ich muss mit dir als Vegan-Profi demnächst mal ein Interview machen.

      Liebe Grüße!

      Jens

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